Beitrag von: Lunaaqua
PS: Oder wäre Acazitidin mono die bessere Wahl?
Vielen Dank
Veröffentlicht am: 6. Mai 2026 um 12:20 Uhr
Guten Tag,
bei einem männlichen Patient mit 76 Jahren liegt ein moderate high-risk MDS im IPSS-M vor mit klinisch führender Anämie um 6-7mg/DL und Transfusionsabhängigkeit. Weiterhin besteht eine Thrombopenie um 60.000-80.000. An Vorerkrankungen besteht eine arterielle Hypertonie sowie mittelgradige Aortenstenose.
Die Therapie erfolgte initial mittels EPO, bei Workverlust mit ausdosiertem Luspatercept. Aber auch hierunter besteht eine progrediente Anämie mit deutlicher Einschränkung der Lebensqualität. Welche Therapie empfehlen Sie? Aktuell im Gespräch ist Imetelstat (bei der Krankenkasse beantragt) oder Venetoclax.
Vielen Dank für Ihre Meinung und Antwort
Leonie
PS: Oder wäre Acazitidin mono die bessere Wahl?
Vielen Dank
Sehr geehrte Frau,
bei Hochrisiko-MDS (IPSS-M mod. high risk) mit Anämie und Thrombopenie würden wir eher zu Azacitidin mono raten.
Imetelstat ist nur für Low risk bzw. Intermed. risk (nach IPSS-R) zugelassen! Zudem entwickeln etwa 2/3 der Patienten schwere Neutro- bzw. Thrombopenien (Grad 3/4), weshalb eine Anwendung bei Thrombozytenwerten <75 G/l nicht empfohlen wird.
Wäre der Patient jünger, wäre eine allogene Transplantation die Therapie der Wahl, mit 76 ist der Standard leider eine Aza-Monotherapie. Die Hinzunahme von Venetoclax zeigte in der Phase-III-Studie VERONA keinen Überlebensvorteil und kann daher derzeit nicht generell empfohlen werden (wäre zudem off-label und müsste bei der Krankenkasse beantragt werden).
Schauen Sie unbedingt auf Molekulargenetik: Bei einer IDH1-Mutation könnte ein IDH1-Inhibitor im Rahmen von Studien eingesetzt werden.
Außerhalb der Standradtherapie gibt es in Deutschland aktuell 2 Studien, falls hierzu Interesse besteht: In einer Phase-III-Studie wird Aza in Kombi mit einem neuen bcl-2 Inhibitor untersucht (GLORA-4 Studie) . Außerdem steht an einigen Zentren eine Phase-I-Studie mit Aza plus LOX-Inhibitor (Modulation der Knochenmarkumgebung) zur Verfügung.
Herzliche Grüße und alles Gute für den Patienten!